In einigen Ländern werden jeden Tag 14 Milliarden Liter unbehandeltes Abwasser erzeugt

In einigen Ländern werden jeden Tag 14 Milliarden Liter unbehandeltes Abwasser erzeugt

Wohin geht das Abwasser? Keiner weiß es...

Veröffentlicht: 9.2.2021.

Um die Ausbreitung von Krankheiten zu begrenzen und die Umweltverschmutzung zu verringern, sollten menschliche Abfälle (Ausscheidungen) sicher bekämpft und effizient gelagert werden. Dennoch haben 4,2 Milliarden Menschen und damit mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung keinen Zugang zu einer sicheren Sanitärversorgung.

In Entwicklungsländern produziert jeder Mensch durchschnittlich sechs Liter Abwasser aus Toiletten pro Tag. Basierend auf der Anzahl der Menschen, die keinen Zugang zu einer sicheren Sanitärversorgung haben, sind dies fast 14 Milliarden Liter unbehandeltes, fäkalverseuchtes Abwasser, das täglich entsteht. Das entspricht 5.600 olympischen Schwimmbecken.

Diese unbehandelten Abwässer tragen direkt zu einer Erhöhung von Durchfallerkrankungen wie beispielsweise Cholera, Typhus und Rotavirus bei. Krankheiten wie die eben genannten sind bei Kindern unter fünf Jahren für 297.000 Todesfälle pro Jahr verantwortlich, dies entspricht 800 Kindern pro Tag.

Die höchsten Todesraten bei Kindern, die auf Durchfall zurückzuführen sind, werden in den ärmsten Gemeinden in Ländern wie Afghanistan, Indien und der Demokratischen Republik Kongo registriert.

Angesichts des globalen Ausmaßes dieses Problems ist es erstaunlich, dass Sanitärfachleute aufgrund der ihnen zur Verfügung stehenden unzuverlässigen Daten immer noch nicht genau wissen, wohin die menschlichen Ausscheidungen fließen oder verschwinden.

Die schlechte Sanitärversorgung wird sich durch den Klimawandel verschärfen

Eine unzureichende Sanitärversorgung ist nicht nur ein Problem für die menschliche Gesundheit, sondern auch eines für die Umwelt. Schätzungen zufolge werden etwa 80 % der Abwässer aus Industrie- und Entwicklungsländern ungeklärt in die Umwelt weltweit entsorgt.

Werden überschüssige Nährstoffe (wie Stickstoff und Phosphor) aus unbehandeltem Abwasser in die Umwelt freigesetzt, können natürliche Ökosysteme beschädigt und das aquatische Leben gestört werden.

Dies gilt insbesondere für Korallenriffe. Viele der vielfältigsten Korallenriffwelten befinden sich in tropischen Entwicklungsländern.

Zum größten Teil verfügen Entwicklungsländer nur über ein überaus begrenztes Management in Bezug auf menschliche Ausscheidungen; dies führt dazu, dass große Mengen an Rohabwässern direkt in die Korallenriffe freigesetzt werden. In Ländern mit einer großen Bevölkerung wie beispielsweise Indonesien und auf den Philippinen wird dies besonders deutlich.

Korallenriff unter Wasser, mit schwimmenden Clownfischen

Das Abwasser wird in der Nähe empfindlicher Korallenriffe abgelassen, vor allem in den Tropen.

Der Schaden, den Rohabwasser den Korallen zufügt, ist immens. Rohabwässer tragen Feststoffe, endokrine Disruptoren (hormonstörende Chemikalien), anorganische Nährstoffe, Schwermetalle und Krankheitserreger direkt in die Korallen. Dies führt zu Korallenwachstum, verursacht mehr Korallenkrankheiten und reduziert ihre Reproduktionsraten.

Die Herausforderungen des Klimawandels werden unsere sanitäre Krise verschärfen, da vermehrte Regenfälle und Überschwemmungen die Sanitärsysteme überfluten und zu ihrem Überlaufen führen werden. Die Bevölkerung der pazifischen Inselstaaten ist aufgrund der komplexen Auswirkungen des steigenden Meeresspiegels und häufigerer, extremer tropischer Wirbelstürme besonders gefährdet.

In der Zwischenzeit lassen zunehmende Dürren und starke Wasserknappheit bestimmte Sanitärsysteme, wie z. B. Abwassersysteme, in anderen Teilen der Welt unbrauchbar werden. Ein Beispiel ist das Missmanagement der staatlichen Wasserversorgung in Harare, Simbabwe, das zum Versagen des Abwassersystems führt und Millionen von Menschen mit Krankheiten bedroht, die über das Wasser übertragen werden. Selbst in stärker entwickelten Ländern wie Australien wird die Zunahme an extremen Wetterereignissen und Katastrophen, einschließlich Buschbränden, dazu führen, dass einige sanitäre Infrastrukturen Schaden nehmen werden ohne eine Möglichkeit zur Instandsetzung.

Globale Ziele zur Verbesserung der Abwasserentsorgung

Die Verbesserung von sauberem Wasser und sanitären Einrichtungen hat klare globale Ziele. Ziel ist es, die sechs Ziele der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung zu erreichen, eine angemessene und gerechte Abwasserentsorgung für alle zu erreichen sowie den Anteil unbehandelter Abwässer zu halbieren. Die Erreichung dieses Ziels wird schwierig werden, da es keine zuverlässigen Daten über die genaue Anzahl der Sanitärsysteme gibt, die sicher verwaltet oder nicht verwaltet werden, insbesondere in Entwicklungsländern.

Einzelstudien aus Länder wie beispielsweise Tansania geben einige Informationen darüber, ob bestimmte Sanitärsysteme sicher betrieben werden. Jedoch haben diese Studien noch nicht den Umfang erreicht, der für eine Extrapolation auf Landesebene erforderlich ist.

Was steckt hinter dem Mangel an Daten?

Ein wichtiger Grund für die fehlenden Daten liegt in der großen Bandbreite an Sanitäranlagen sowie deren komplexer Klassifizierung.

Der Bau von Senkgruben dient als häufiges Beispiel dafür, dass es zahlreiche Anreize gibt, um untaugliche Senkgruben, die viel billiger sind, zu bauen. So offenbaren aktuelle Forschungen im ländlichen Fidschi, dass reduzierte Tankgrößen und alternative Materialien (alter Kunststoff-Wassertanks) verwendet werden, um Platz und Materialkosten zu sparen.

Hierdurch ist keine angemessene Abdichtung oder Lagerung gewährleistet. Stattdessen können die Ausscheidungen frei in die Umgebung gelangen.

Problembehandlung

Zur Erreichung der sechs Ziele für nachhaltige Entwicklung sind landesweit repräsentative Datensätze erforderlich. Folgende wichtige Fragen müssen in den Entwicklungsländern auf nationaler Ebene beantwortet werden:

  • Gilt für jede Toilette; wohin gehen die Ausscheidungen? Werden diese sicher verwahrt, vor Ort gelagert oder zur Klärung abtransportiert?
  • Wenn die Ausscheidungen nach dem Verlassen der Toilette nicht richtig verwahrt oder behandelt werden, wie weit werden sie durch den Boden oder die Wasserwege transportiert?
  • Wenn die Ausscheidungen aus der Grube oder Senkgrube einer vollen Toilette vor Ort entfernt werden, wohin werden sie gebracht? Werden sie in die Umwelt entsorgt oder angemessen behandelt?
  • Sind die Abwassersysteme intakt und an funktionale Kläranlagen angeschlossen, die Abwasser mit einer sicheren Qualität freisetzen?

Derzeit werden diese kritischen Fragen durch die von der UN verwendeten Instrumente zur Erfassung von Hygienedaten zur Erreichung der Ziele für nachhaltige Entwicklung nicht vollständig beantwortet. Es gilt, sowohl wirksamere Erhebungen und Stichprobenprogramme zu entwickeln als auch den staatlichen Abwasserämtern die Ressourcen für eine gründlichere Datenerhebungsstrategie zuzuweisen.

Was am wichtigsten ist: Gefragt ist das koordinierte Investieren in nachhaltige Sanitärlösungen für alle Beteiligten, insbesondere von Seiten der jeweiligen Regierungen, der internationalen Organisationen sowie des Privatsektors. Dies ist entscheidend sowohl für den Schutz der eigenen Gesundheit als auch aller anderen Lebewesen.

Vorbereitet von: Astrid Werbolle

Quelle: THE CONVERSATION (University of Sydney)

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihre Benutzererfahrung zu verbessern und Ihren Besuch zu verfolgen.
Weiterlesen...

Ok Cookies entfernen