Ist es akzeptabel, dass Toilettenwasser zu Trinkwasser wird?

Ist es akzeptabel, dass Toilettenwasser zu Trinkwasser wird?

Unabhängig davon, wie oft ihnen gesagt wird, dass es sich um sicheres Trinkwasser handelt, einige Menschen ekeln sich zu sehr davor, gereinigtes Abwasser zu trinken, dass sie diesen Gefühl nicht überwinden können

Veröffentlicht: 25.1.2021.

Bedingt durch ernstzunehmende Dürren und das Bevölkerungswachstum werden wir das Projekt "Von der Toilette zum Wasserhahn" akzeptieren müssen. Städte wie Perth, Australien, nehmen eine Vorreiterrolle ein.

Vielleicht klingt es nicht gerade angenehm, aber dennoch ist recyceltes Wasser sicher und hat den gleichen Geschmack wie jedes andere Trinkwasser, aus der Flasche oder aus dem Wasserhahn. "Wenn überhaupt, schmeckt recyceltes Abwasser relativ süß", sagt Anas Ghadouani, Umweltingenieur von der University of Western Australia in Crawley.

Nichtsdestotrotz bereitet einigen Menschen die Vorstellung, recyceltes Abwasser zu trinken, derart Schwierigkeiten, dass sie diese – wortwörtlich – kaum schlucken können. Bedingt durch Dürren und das Bevölkerungswachstum schließen zahlreiche Städte bereit heute recyceltes Abwasser in die Wasserversorgung ein. Recycling wird nicht nur zu einer Notwendigkeit werden, sondern auch zu einer Voraussetzung für eine nachhaltige aquatische Zukunft.

Die Verwendung von Abwasser zur Gewinnung von Trinkwasser kann politischen Entscheidungsträgern Probleme bereiten.

Also, wenn Sie nicht bereits recyceltes Abwasser trinken, werden Sie es bald tun. "Das macht keinen Sinn", sagt Ghadouani. "Das wird passieren."

Abwasser ist natürlich viel mehr als Toilettenwasser. Denken Sie an all das Wasser, das jedes Mal, wenn Sie einen Apfel waschen oder das Auto mit einem Wasserschlauch abspritzen, in den Abfluss fließt. Dieses Wasser ist eine ungenutzte Ressource, und es gibt eine Menge davon. "Es ist billiger; eine Ressource ist garantiert", sagt Peter Scales, chemischer Ingenieur der Melbourne University in Australien. Seiner Meinung nach könnte eine durchschnittliche Stadt, würde sie ihr gesamtes Abwasser recyclen, die von ihr benötigte Wassermenge um 60 % reduzieren.

Das Recycling von Abwasser, das für Bewässerungs- und andere nicht trinkbare Verwendungszwecke genutzt wird, ist bereits heute üblich. Hierbei handelt es sich um die gleiche Technologie, die verwendet wird, um Trinkwasservorräte zu behandeln, die kontaminiert sind - und diese Technologie gibt es bereits seit Jahren.

Zuerst müssen alle festen Stoffe und sonstigen Materialien aus dem Wasser gefiltert werden. Danach, in einem Prozess namens Umkehrosmose, werden die kleinsten Partikel herausgefiltert. Und – als zusätzliche Vorsichtsmaßnahme, um pathogene Mikroben zu sterilisieren – wird das Wasser mit ultraviolettem Licht behandelt. "Wir können, was den Reinheitsgrad angeht, überaus sauberes Wasser liefern - sauberer als das, was derzeit aus Stauseen und Flüssen kommt", sagt Scales.

Nichtsdestotrotz bleibt unweigerlich ein „Pfuj“-Faktor. Eine kürzliche Befragung von 2.000 Amerikanern durch den Psychologen Paul Rozin von der University of Pennsylvania, USA, und eines Forscherteams ergab, dass 49 % der Befragten bereit waren, recyceltes Abwasser zu probieren; andererseits weigerten sich 13% rundweg, dies zu tun, wohingegen der Rest noch unsicher war. Für manche Menschen ist das Ekelgefühl zu groß, um dieses, selbst unter widrigsten Umständen, überwinden zu können – unabhängig davon, wie oft ihnen versichert wird, dass das Wasser sicher zum Trinken sei.

Politisches Problem

Im Jahr 2006 versuchte sich die im Osten Australiens liegende Stadt Toowoomba am Abwasserrecycling. Doch die Bemühungen wurden zu einer politische Katastrophe, da sich 62 % der Wähler im Rahmen einer Volksabstimmung gegen den Plan aussprachen. "Wasserrecycling ist extrem leistungsfähig, aber es ist ein politisch reales Problem", so Scales.

Die immer knapper werdende Wasserversorgung hatte die Toowoomba-Beamten in eine verzweifelte Situation gebracht, und sie hatten versucht, das Abwasserrecycling einzuführen, ohne den Menschen Zeit zu geben, sich an diese Idee zu gewöhnen, sagt Clare Lugar, Sprecherin der Water Corporation, einer Wassergesellschaft für Perth und Western Australia - einer Region, die bereits seit 15 Jahren austrocknet. Das Unternehmen integriert das Abwasserrecycling in seine eigene Versorgung. Jedoch nimmt es Toowoomba als Lehrbeispiel und geht die Sache behutsam an.

Westaustralien ist bereits jetzt einer der trockensten Orte der Erde, und der Klimawandel hat die Situation wahrscheinlich noch weiter verschärft. "Es handelt sich wohl um eine Art Brennpunkt für die Dürre", so Ghadouani. "Das haben die Modelle vorhergesagt, und genau das ist eingetreten." So lieferten die Staudämme in Perth im vergangenen Jahr nur 72,4 Milliarden Liter Wasser - weniger als ein Drittel der benötigten Menge.

Um die Dürre zu verringern, begann der Wasserkonzern 2006 mit der Wassergewinnung durch Entsalzung und nutzt Meerespflanzen, um Salzwasser in Süßwasser umzuwandeln. Entsalzung ist teuer, aber effektiv. Heute macht die Entsalzung 39 % der Wasserversorgung in dieser Region aus. Das Grundwasser liefert 43 %, der Rest wird durch Reservoirs sichergestellt. Doch aufgrund der konstanten Dürre und der steigenden Bevölkerungszahlen wird recyceltes Abwasser zusätzliche Sicherheit zu geringeren Kosten bieten können.

Letztendlich könnte recyceltes Abwasser 20 % der Wasserversorgung von Perth sicherstellen.

Das Unternehmen orientiert sich in seinen Herangehensweise an dem, was Orange County, Kalifornien, macht: recyceltes Abwasser wird in Grundwasserleitern gepumpt, um den Grundbestand zu kompensieren. Grundwasserleitern bieten eine kostenlose Lagerung, die ansonsten teuer wäre; außerdem fungieren sie als psychologischer Puffer, um den Minimalfaktor zu reduzieren. Obwohl das Wasser bereits zum Trinken geeignet ist, haben einige Leute das Gefühl, dass das Wasser auf natürlichem Weg durch die Erde gereinigt wird.

Vorbereitet von: Astrid Werbolle

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